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Gutenberg Museum, Fribourg

Das Gutenberg Museum in Fribourg widmet sich, wie schon der Name besagt, ganz und gar der Erfindung Johannes Gutenbergs, der Buchdruckerkunst. Vor kurzem war LoL wieder mal dort – voll und ganz begeistert 🙂 .

Im Parterre befindet sich, gleich neben dem Eingang, eine Rekonstruktion von Agostino Ramelli’s berühmten Bücherrad, einer Holzkonstruktion mittels derer sich mehrere Bücher bequem gleichzeitig lesen und vergleichen lassen. Die Bücher liegen auf am Rad hängenden Tablaren, die so konstruiert sind, dass sie Eingang Gutenberg Museumimmer schön in der gleichen Position hängen („Planetengetriebe“), damit die Bücher nicht hinten runterfallen, wenn das Rad gedreht wird. Also im Prinzip wie ein Riesenrad. Das Rad, und seine Konstruktion, ist in Ramelli’s Buch Le diverse et artificiose machine del Capitano Agostino Rammelli dal Ponte della Tresia…, erschienen in Paris, 1588, in Italienisch und Französisch, genauestens beschrieben bzw. dargestellt. (LoL’s Bibliothek besitzt ebenfalls ein Exemplar dieses Buches und das Rad darf bei Führungen natürlich nicht fehlen – fasziniert die Leute immer wieder). Ebenfalls im Parterre befindet sich ein Raum für Sonderausstellungen.

In der Dauerausstellung im 1. Stock und 2. Stock findet sich dann alles rund um den Buchdruck bzw. die Buchproduktion. Der 1. Stock widmet sich dem Übergang vom Manuskript zum Buchdruck und der Zeit der Handpressen. Dargestellt mit lebensgrossen Wachspuppen findet man hier unter anderem den Scriptor, den Buchbinder, den Schriftgiesser und den Buchdrucker mit ihren verschiedenen Gutenberg Museum1Werkzeugen, Maschinen, Setzkästen und natürlich Druckerpressen. Sowie zahlreiche Informationen zu Schrift, Typographie, Schriftguss etc. Im 2. Stock ist man dann im Zeitalter des maschinellen Buchdrucks angelangt, mit zahlreichen Druckmaschinen, Fotoapparaten, Setzmaschinen etc. Hier steht nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt, sondern die Maschine; allesamt schwarzglänzende, geschwungene, ästhetisch schöne Maschinen. Daneben ein kleines Modell einer vollautomatisierten Anlage für den Druck von Zeitungen und Zeitschriften aus den 1970ern. Wesentlich unästhetischer. Leider ist das Fotografieren im Museum nicht gestattet, aber auf der Website des Museums finden man eine kleine Bildergalerie, die einen Eindruck von der Ausstellung (allerdings nur vom 1. Stock) vermitteln.

Die verschiedenen Drucktechniken kennenlernen kann man in den Ateliers im Sous-sol des Museums, die bei LoL’s Besuch allerdings leider geschlossen waren, bzw. wahrscheinlich nur im Rahmen einer (Kinder)Führung zu besuchen sind. Schad. Ebenfalls nicht fehlen darf natürlich der Museumsshop. Vor allem angetan hat es LoL hier die Ecke mit den antiquarischen Büchern aus dem Lager des Museums, allesamt für CHF 5.00, wo sie unter anderem ein umfassendes Handbuch zum Buchdruck aus den 1930er Jahren erstanden hat 🙂 .

Definitiv ein sehr besuchenswertes Museum fĂĽr alle, die sich fĂĽr Buchdruck interessieren!

Noch ein paar Wochen bis zu den langersehnten Sommerferien. Neben den, inzwischen schon fast obligatorischen, zwei Wochen in England geht’s dieses Jahr zuerst noch für ein paar Tage in die Pfalz. Ein Besuch in Mainz und dem dortigen Gutenberg Museum steht natürlich schon fest auf dem Programm. Und LoL fängt schon mal an zu sparen, denn auch der Museumsshop sieht sehr vielversprechend aus – der Miniatur Druckerpresse aus Holz wird sie jedenfalls wohl nicht widerstehen können 🙂 .

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BuchrĂĽckentitel

Heute morgen hat LoL im Zug, auf dem Weg zur Arbeit, ein neues Buch zu lesen begonnen. Das Buch trägt den vielversprechenden Titel “The Book on the Bookshelf”. Der Autor, Henry Petroski, geht darin der Frage nach, wieso BĂĽcher so im BĂĽcherregal stehen, wie sie heute üblicherweise stehen:

While reading in my chair late one evening I perceived, for whatever reason, the bookshelf beneath a row of books in a new light. I saw it as a piece of infrastructure, taken for granted if not neglected, like a bridge beneath a line of cars, and I wanted to know more about the nature and origins of this ubiquitous thing. But where to begin? Was it meaningful to ask why the bookshelf is horizontal and why books are placed vertically upon it? Or are these facts so obvious as to need no explanation? Going further, was there anything to be gained by asking why we shelve our books with their spines facing outward, or is this simply the only logical way to shelve them? Don’t books go on bookshelves, as nuts go on bolts, only one way?

Hört sich sehr interessant an, findet LoL, und freut sich schon sehr auf die Lektüre.

Allerdings wird es wohl eine Frage, die sich LoL schon seit langem immer mal wieder stellt, meistens dann, wenn sie grad wieder mal ihre Bücher umräumt, nicht beantworten. Nämlich, wieso bei den deutschsprachigen Büchern die Schrift auf dem Buchrücken von unten nach oben verläuft. Im Gegensatz zu den englischsprachigen, wo dies genau umgekehrt ist, also von oben nach unten. 
       Stehen die Bücher horizontal im Regal, ist der Unterschied relativ gering und beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass der Kopf zum Lesen der Rückentitel entweder nach links oder nach rechts geneigt werden muss. Wobei LoL persönlich die Kopf-nach-rechts-Variante bevorzugt, was aber auch daran liegen kann, dass sie mehrheitlich englischsprachige Bücher liest und es sich daher ganz einfach mehr gewöhnt ist.
       Stapelt man nun allerdings die Bücher horizontal im Regal, was bei Bücherliebhabern mit chronischem Platzmangel ja schnell mal notwendig wird, zeigt sich schnell der Vorteil der angloamerikanischen Methode: das Buch liegt mit der Rückseite nach unten, die Vorderseite zeigt nach oben, die Schrift des Rückentitels ist normal von links nach rechts lesbar.
       Nicht so bei deutschsprachigen Büchern. Hier muss man sich entweder für die Vorderseite oder für den Rückentitel entscheiden, denn zeigt ersteres nach oben, steht zweiteres auf dem Kopf, und umgekehrt. Beides nicht wirklich hundertprozentig befriedigend. Wieso also ist das so? Wer war es, der wann und wieso entschieden hat, dass bei deutschsprachigen Büchern die Schrift auf dem Buchrücken von unten nach oben verlaufen soll? Und wieso hält sich das immer noch hartnäckig?? *

Literaturnachweis:
Petroski, Henry. The Book on the Bookshelf. New York: Vintage, 2000. 0-375-
70639-9.

 

* Allerdings findet man seit einiger Zeit immer mal wieder (immer mehr?) deutsche BĂĽcher mit angloamerikanischer RĂĽckentitelvariante. Anscheinend gibt’s noch andere, die sich diese Frage stellen…

“lumbecken”

Die Fachterminologie der verschiedenen Berufe und Branchen ist doch immer wieder was Schönes. Da gibt es diese netten Begriffe, die für jeden Eingeweihten absolut normal und verständlich sind, für Aussenstehende aber einfach nur komisch anmuten.

Heute sind die Einbbände fĂĽr die Zeitschriften Stahl & Eisen und Giesserei vom Verlag gekommen, mit einer Notiz fĂĽr den Buchbinder: “Die RĂĽckeneinlage dieser Einbanddecke ist so bemessen, dass der Buchblock gelumbeckt werden muss”.

Gelumbeckt – lumbecken. Was fĂĽr ein nettes Wort. Hat offensichtlich was mit der Art und Weise, bzw. dem Verfahren zu tun, wie Blätter in einem Einband befestigt werden. Wahrscheinlich nach dem Namen des Erfinders benannt. Hat man ja auch schon mal irgendwann, irgendwo gehört. Aber was war das jetzt nochmal genau? Dass LoL das als Bibliothekarin nicht unbedingt weiss, davon geht offensichtlich auch der Verlag aus, und richtet seine Notiz geshalb gleich direkt an den Buchbinder. Und unsere Buchbinderin wird schon wissen, was zu tun ist (sehr wahrscheinlich wĂĽsste sie das auch ohne die Notiz). Aber natĂĽrlich will LoL das jetzt auch genauer wissen.

In Margarethe Rehm’s Lexikon Buch-Bibliothek-neue Medien finden sich dazu die folgenden Erklärungen:

Lumbeck, Emil. (1886-1979). -> lumbecken.

lumbecken bezeichnet die fadenlose Klebeheftung von Büchern und Broschüren, bei der einzelne Blätter oder einmal gefaltete Bogenteile durch Kunstharzklebstoff zu Buchblöcken verbunden werden. Das Aufkommen von Kunstharzklebern in den 1950er Jahren war für die Entwicklung der Klebehefutng entscheidend, an der Emil Lumbeck (1886-1979) beteiligt war, weshalb das Verfharen auch nach ihm benannt ist. S.a. heften.

heften […] Die Klebeheftung (Klebebindung), nach ihrem Erfinder Emil Lumbeck (1886-1979) auch lumbecken genannt, ist eine fadenlose Klebeheftung mit Kunstharzklebstoff. […] Das Lumbeckverfahren empfiehlt sich fĂĽr nicht dauernd aufzubewahrende und weniger benutzte BĂĽcher. Es wird deshalb viel bei TaschenbĂĽchern, TelefonbĂĽchern u.ä. angewendet.

Lumbecken ist also das entsprechende Verb zu Klebeheftung oder Klebebindung. “Klebeheften” oder “klebebinden” scheinen als Alternativen dazu nicht zu existieren. Wie das Ganze genau funktioniert, findet man zum Beispiel hier oder hier.
Im Englischen heisst es, gemäss LEO, ĂĽbrigens ebenfalls “to lumbeck”, aber alternativ gibt’s auch “to pad sth.”. Das Verfahren heisst entsprechend “Lumbeck process”. Im Französischen ist bei LEO nichts zu finden.

Der Hinweis, dass sich dieses Verfahren vor allem fĂĽr BĂĽcher eignet, die nicht dauernd aufzubewahren und weniger genutzt sind, wĂĽrde allerdings eher gegen die vom Verlag vorgesehene Art der Bindung sprechen, denn die einzelnen Hefte werden ja gerade auch deshalb gebunden, damit die Zeitschrift dauerhaft aufbewahrt werden kann. Wobei zugegenermassen das “wenig benutzte” zumindest in LoLs Bibliothek, leider, leider, nur allzu zutreffend ist…

Und nun ĂĽberlegt sich LoL natĂĽrlich, was es denn im Bibliotheksbereich fĂĽr Fachtermini gibt, die fĂĽr uns Bibliothekswesen absolut klar und verständlich sind und bei denen andere nur verwirrt und ahnungslos den Kopf schĂĽtteln. Das einzige, was ihr spontan in der Richtung einfällt – dĂ©formation professionelle? – ist “Autopsie”, was ihr, als Krimifan, schon immer besonders gut gefallen hat… 🙂

Seltene Schweizer BĂĽcher online

Seit gestern ist die Datenbank “Ein Blick auf seltene BĂĽcher in Schweizer Bibliotheken” der Arbeitsgruppe Alte Drucke der BIS online. Die Datenbank enthält zur Zeit 10 alte, in der Schweiz gedruckte BĂĽcher aus 3 Jahrhunderten (hauptsächlich aus der Deutschschweiz). 

Die Idee ist, dass die beitragenden Bibliotheken jeweils ein Buch aus ihrem Bestand präsentieren, das in der Umgebung der Bibliothek gedruckt wurde (oder damit irgendwie in Zusammenhang steht). Die Sammlung soll somit einen Einblick in die vielfältige Druckertätigkeit in der Schweiz bieten. Gesucht werden kann nach verschiedenen Kriterien, wie z.B. Bibliothek, Druckort, Jahrhundert, Einband, Thema usw.

Noch fehlen einige Kantone in der Datenbank, die möglichst rasch ergänzt werden soll. LoL arbeitet noch am Beitrag ihrer Bibliothek…

Stephen Fry meets Gutenberg

Zurzeit läuft in England auf BBC Four die “Medieval Season” mit verschiedenen Beiträgen rund ums Mittelalter. In einer der Episoden befasst sich Stephen Fry mit Erfindung und Geschichte der Gutenbergschen Druckerpresse, “the machine that made us who we are today”. Um hinter das Geheimnis der Presse zu kommen, versuchen Fry und ein Team von Handwerkern, Gutenbergs Erfindung nachzubauen. Auf der Website von BBC Four kann der Beitrag online unter http://www.bbc.co.uk/bbcfour/medieval/gutenberg.shtml angeschaut werden – der vollständige Beitrag allerdings nur innerhalb GB. Nicht-Insulaner mĂĽssen sich mit einem ca. 2 minĂĽtigen Ausschnitt zufriedengeben.

The Lonely Librarian konnte rechtzeitig einen Freund in England mit der Aufzeichnung des Programms beauftragen, muss nun aber leider bis zum nächsten Besuch in England im Juni warten, um es anzuschauen…