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Lost in the BL

Wer kennt das nicht: das gewünschte Buch ist laut Katalog zwar verfügbar, aber im Regal keine Spur davon. Auch nicht ein bisschen weiter links oder rechts, oder sonst wo. Vor allem in grossen Bibliotheken hat man praktisch keine Chance, verstellte Bücher rasch wiederzufinden und bis zur nächsten Inventur bleiben die Bücher verschollen.

Das Problem der unauffindbaren Bücher kennt auch die British Library, wie der Guardian gestern berichtete. Über 9’000 Bücher gelten hier als vermisst, wobei british-library12die BL davon ausgeht, dass diese in den meisten Fällen nicht gestohlen wurden, sondern sich irgendwo in den 650 Laufkilometer Regalen, zwischen den 150 Millionen Büchern befinden. Einige dieser Vermissten wurden allerdings schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Die Erstausgabe von Oscar Wilde’s The Picture of Dorian Gray, erschienen 1891, zum Beispiel, gilt seit 1961 als vermisst. Hoffen wir, dass die BL Recht hat mit ihrer Überzeugung, dass die Bücher immer noch irgendwo im Bestand sind anstatt gestohlen worden zu sein. Und dass sie sie irgendwann wieder finden…

 Aber nicht nur Bücher können in den riesigen Magazinen der BL verlorgen gehen. Die Schriftstellerin Michèle Roberts berichtet in ihrem Artikel über das Vergnügen, sich selbst in den labyrinthischen Gängen der BL zu verlieren, bzw. über ihre Ausbildung und Arbeit in verschiedenen Londoner Bibliotheken, darunter im Reading Room des British Museums’, in den 1970ern. Die Gründe, weshalb sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschied, sind einigen von uns wohl auch nicht ganz fremd 😉 :

[…] I chose to train as a librarian. My decision served romantic as well as practical ends. I saw libraries as magical, enchanted places, palaces of the imagination; I recognised librarians as generous custiodians of treasurers.

 Schön auch der Schlusssatz des Artikels:

Librarians are necessarily heores and warriors – albeit in disguise. 

A propos Reading Room im British Museum: Gibt es den eigentlich noch?? LoL war vor etwa 3 Jahren zum ersten Mal dort und hatte, wie’s scheint, noch das Glück, ihn überhaupt zu sehen. Denn seitdem scheinen dort nur noch Sonderausstellungen stattzufinden…

“Exit here for the British Library…”

British LibraryDie British Library hat zwar keine eigene Underground Station, aber immerhin wird in der Durchsage  für die Station King’s Cross/St Pancras ausdrücklich auf die British Library hingewiesen, genau so wie an anderen Stationen auf die grossen Museen und anderen Sehenswürdigkeiten.

 Die BL ist, auch für Nicht-Bibliotheksbenutzer, ein Besuch absolut wert. Zu sehen ist z.B. die Daueraustellung in der Sir John Ritblad Gallery, in der Schätze der Bibliothek (u.a. eine Gutenberg Bibel, eine Beowulf-Handschrift, Shakespeare’s First Folio, verschiedene illuminierte mittelalterliche Handschriften, Magna Carta etc. etc.) zu sehen sind. Die aktuelle Wechselausstellung Taking Liberties widmet sich dem Thema Freiheit und Rechte und gibt interessante Einblicke in die Geschichte Grossbritanniens. Mittels einem British Library GatePapierarmband mit Strichcode kann man sich jeweils an verschiedenen Stationen einloggen und seine Meinung zu verschiedenen Themen eingeben. Am Schluss der Ausstellung kann man die eigenen Resultate mit deren anderer Besucher vergleichen. Und wenn man davon noch nicht genug hat, kann man online von Zuhause weitermachen…

Ach ja, und natürlich gibt’s auch ein Café in der BL. Und ein Restaurant obendrein 🙂 .