Tag Archives: Bibliothekswissenschaft

Bilder von der InetBib-Tagung 2010

Der Tagungsort: Die ETH Zürich

Der Tagungsraum: Das Auditorium Maximum

Das Tagungsprogramm vom Donnerstag, 15. April 2010:

Die Twitterwall:

Die Stände der ausstellenden Firmen im Innenhof:

Mittagspause:

ETH:

“lumbecken”

Die Fachterminologie der verschiedenen Berufe und Branchen ist doch immer wieder was Schönes. Da gibt es diese netten Begriffe, die für jeden Eingeweihten absolut normal und verständlich sind, für Aussenstehende aber einfach nur komisch anmuten.

Heute sind die Einbbände für die Zeitschriften Stahl & Eisen und Giesserei vom Verlag gekommen, mit einer Notiz für den Buchbinder: “Die Rückeneinlage dieser Einbanddecke ist so bemessen, dass der Buchblock gelumbeckt werden muss”.

Gelumbeckt – lumbecken. Was für ein nettes Wort. Hat offensichtlich was mit der Art und Weise, bzw. dem Verfahren zu tun, wie Blätter in einem Einband befestigt werden. Wahrscheinlich nach dem Namen des Erfinders benannt. Hat man ja auch schon mal irgendwann, irgendwo gehört. Aber was war das jetzt nochmal genau? Dass LoL das als Bibliothekarin nicht unbedingt weiss, davon geht offensichtlich auch der Verlag aus, und richtet seine Notiz geshalb gleich direkt an den Buchbinder. Und unsere Buchbinderin wird schon wissen, was zu tun ist (sehr wahrscheinlich wüsste sie das auch ohne die Notiz). Aber natürlich will LoL das jetzt auch genauer wissen.

In Margarethe Rehm’s Lexikon Buch-Bibliothek-neue Medien finden sich dazu die folgenden Erklärungen:

Lumbeck, Emil. (1886-1979). -> lumbecken.

lumbecken bezeichnet die fadenlose Klebeheftung von Büchern und Broschüren, bei der einzelne Blätter oder einmal gefaltete Bogenteile durch Kunstharzklebstoff zu Buchblöcken verbunden werden. Das Aufkommen von Kunstharzklebern in den 1950er Jahren war für die Entwicklung der Klebehefutng entscheidend, an der Emil Lumbeck (1886-1979) beteiligt war, weshalb das Verfharen auch nach ihm benannt ist. S.a. heften.

heften […] Die Klebeheftung (Klebebindung), nach ihrem Erfinder Emil Lumbeck (1886-1979) auch lumbecken genannt, ist eine fadenlose Klebeheftung mit Kunstharzklebstoff. […] Das Lumbeckverfahren empfiehlt sich für nicht dauernd aufzubewahrende und weniger benutzte Bücher. Es wird deshalb viel bei Taschenbüchern, Telefonbüchern u.ä. angewendet.

Lumbecken ist also das entsprechende Verb zu Klebeheftung oder Klebebindung. “Klebeheften” oder “klebebinden” scheinen als Alternativen dazu nicht zu existieren. Wie das Ganze genau funktioniert, findet man zum Beispiel hier oder hier.
Im Englischen heisst es, gemäss LEO, übrigens ebenfalls “to lumbeck”, aber alternativ gibt’s auch “to pad sth.”. Das Verfahren heisst entsprechend “Lumbeck process”. Im Französischen ist bei LEO nichts zu finden.

Der Hinweis, dass sich dieses Verfahren vor allem für Bücher eignet, die nicht dauernd aufzubewahren und weniger genutzt sind, würde allerdings eher gegen die vom Verlag vorgesehene Art der Bindung sprechen, denn die einzelnen Hefte werden ja gerade auch deshalb gebunden, damit die Zeitschrift dauerhaft aufbewahrt werden kann. Wobei zugegenermassen das “wenig benutzte” zumindest in LoLs Bibliothek, leider, leider, nur allzu zutreffend ist…

Und nun überlegt sich LoL natürlich, was es denn im Bibliotheksbereich für Fachtermini gibt, die für uns Bibliothekswesen absolut klar und verständlich sind und bei denen andere nur verwirrt und ahnungslos den Kopf schütteln. Das einzige, was ihr spontan in der Richtung einfällt – déformation professionelle? – ist “Autopsie”, was ihr, als Krimifan, schon immer besonders gut gefallen hat… 🙂

Library History for Today and Tomorrow

In the latest issue of Cilip’s Library + Information Gazette (11-24 July 2008), LoL found, on page 5, an article she was very pleased about. Under the heading “History Today?”, Rob Westwood demands that “Library History should make a return to the curriculum”. Because the history of our profession makes us understand the future of it better. Westwood argues that “the time of excessive change” of our profession is by now means new or unique. Looking back in the history of libraries, one finds that they are rather “constantly in a state of developmental flux”:

With our hands on this balustrade we would see that there is no particular threat from a rise of ‘leisure industries’ and that HTML should be no more feared or adored than the scroll, the codex, the videotape or anything else one might label as a ‘paradigm shift’.

As librarians, we can only profit by knowing our own professional history: “A knowledge of Library History makes librarianship exciting and consequently contribues to the dynamism and importance of our service”.

Yes, LoL finds library history also very exciting and has already complained about the fact, that it is no longer taught at library schools on this blog, some time ago (see post). And therefore, she wholeheartedly supports Rob Westwood’s claim:

Bring Library History back to library school. It deserves its own module and not to be crowbarred into existing classes. A healthy understanding of our history can only lead to a healthy design for our future.

As a start, why not read Jochum’s Kleine Bibliotheksgeschichte or Edward Miller’s Prince of Librarians. The Life and Times of Antonio Panizzi of the British Museum, which LoL has just added to her LibraryThing library (yes, she’s warming up to that one 🙂 ) .

Library History

Gerade eben kam über LIS-LIBHIST eine Zusammenfassung der Antworten zu der gestern gestellten Frage, ob es in Grossbritannien heute noch Kurse zu Library History an den Library Schools gebe. Die Antworten aus verschiedenen Ecken des Königreichs lauten alle gleich: Nein, Library History steht heute nirgends mehr auf dem Lehrplan, ist mit der Pensionierung des letzten Library Historians ausgestorben, findet sich allerhöchstens noch als Teil eines anderen Kurses, sofern die Lehrperson selbst ein Interesse am Thema hat.

Da wäre es natürlich interessant zu wissen, wie dies im deutschen Sprachraum aussieht. Aus eigener Erfahrung kann gesagt werden, dass vor 2 Jahren am MAS IS-Lehrgang der HTW Chur das Thema unter der Bezeichnung “Bibliotheksgeschichte und -typen” einen Schnelldurchgang erfahren hat. Wenn das Gedächtnis nicht trügt, wäre ursprünglich eine Doppellektion für dieses Thema vorgesehen gewesen, die dann aber irgendwie aus dem Stundenplan gefallen ist. Ob das Thema im Vollzeit-Studiengang wohl etwas mehr Beachtung findet, weiss the Lonely Librarian nicht, fürchtet aber, dass dem wohl eher nicht so ist.

Es scheint wohl, dass Bibliotheksgeschichte zumindest in der BibliothekarInnen-Ausbildung an britischen Library Schools und (Schweizer) Fachhochschulen nicht mehr von Interesse ist. Auch das Angebot an Universitäten, die sich mit Book History (und Library History als Teilgebiet davon) beschäftigen, scheint eher rar. In der Schweiz gibt es dazu grad gar nichts. In GB gibt es an der University of London (mit welcher the Lonely Librarian im Hinblick auf ein Ph.D. liebäugelt, aber die Kosten, die Kosten….) ein entsprechendes Angebot (http://ies.sas.ac.uk/) sowie an der University of Edinburgh, im dortigen Centre for the History of the Book (http://www.hss.ed.ac.uk/chb/).

Bibliotheksgeschichte-Interessierte bietet die Zusammenstellung “5000 Jahre Bibliotheken” von R. Barth einen guten Überblick.