Zürcher Café-Sterben

In Cafés kann man sich stundenlang aufhalten, Kaffee oder Tee trinken, sich unterhalten oder, wenn man alleine ist, gemütlich ein Buch oder die Zeitung lesen. In Zürich wird das langsam immer schwieriger. Zumindest wenn man dies nicht jedesmal ausschliesslich in einer der unzähligen Starbucks-Filialen tun möchte. Gemäss einer vor einiger Zeit in einer der hiesigen Gratiszeitungen erschienen Nachricht hat Zürich die zweithöchste Starbucks-Dichte. (Typischerweise bekommt man in solchen Nachrichten immer nur die halbe Information serivert: in Europa? Weltweit? Und wer hat die dichteste??). Nun gibt es seit Neustem in Zürich eine weitere Filiale (und es gibt hier wirklich bereits alle 10 Meter eine…). Und zwar in der grössten Buchhandlung der Stadt, im “OF” (Orell Füssli Buchhandlung an der Bahnhofstrasse). Nun hat LoL absolut nichts gegen Cafés in Buchläden, ganz im Gegenteil. Und sie hat auch nichts gegen Starbucks. Zumindest nicht generell (hat sie doch eine Schwäche für Kaffee mit Vanille-Aroma). In diesem besonderen Fall allerdings sehr. Denn im OF gab’s bereits seit einiger Zeit ein Café. Ein kleines, immer gut besuchtes (in dem man aber trotzdem immer irgendwie einen Platz fand), gemütliches (vor allem, wenn man das bequeme rote Ledersofa ergattern konnte) individuelles Café mit feinen Sandwiches und dem stadtweiten besten (geschmacklich wie ästhetisch) Latte Macchiato. Café und Ladenfläche gingen nahtlos ineinander über und das Mitnehmen und Lesen der Bücher aus dem Buchladen war ausdrücklich erlaubt und erwünscht.

Jetzt sieht’s dort aus wie in jeder anderen Starbucks-Filiale auch.

Bereits früher in diesem Jahr ist in Zürich eine Café-Ära zu Ende gegangen. Das auch ausserhalb Zürichs bekannte, unverkennbar und vielgeliebt-kitschige Café Schober wurde geschlossen, bzw. den Betreibern gekündigt. Das Café Schober wird’s wohl wieder geben, wenn die Umbauarbeiten am Haus abgeschlossen und die neu hergerichteten Luxuswohnungen vermietet sind. Aber es wird nicht mehr das gleiche Café Schober sein (auch wenn die Betreiber auf ihrer Website mit dem Spruch “de Schober bliibt de Schober” werben). Immerhin, das Café Schober gibt’s jetzt also Café Felix am Bellevue, da, wo bis vor kurzem das Kino Bellevue war (eine weitere verlorene Kindheitserinnerung). Dort ist es auch sogar ganz nett, anders aber doch auch ein bisschen so wie vorher, im Niederdorf. Hell, mit hohen Decken, viel Gold und ein wenig vo der alten Dekoration und dem gewohnten Kitsch. Ein bisschen Grand Café-Feeling, wo man trotz einer grossen Anzahl an Servicepersonal in weissen Schürzen ewig warten muss, bis man endlich bedient wird, um dann für teuers Geld wohl den schlechtesten Kaffee von ganz Zürich zu bekommen. Aber eben, es ist halt nicht mehr das Gleiche.

Nun muss sich LoL also aufmachen und neue Cafés in Zürich finden. Cafés mit einer individuellen Ausstattung, in denen man in Ruhe ein Buch lesen und den zweitbesten Latte Macchiato der Stadt trinken kann. Oder sie macht endlich das, was sie schon seit Jahren machen möchte – auswandern. In eine Stadt, in der Starbucks noch nicht überpräsent ist und individuelle Café-Kultur noch gepflegt wird…

3 responses to “Zürcher Café-Sterben

  1. Als Trost: da muß LoL nicht so sehr weit auswandern. Oder einfach mal einen Abstecher machen. Nach Konstanz. Da gibt es viele Cafés. Und auch eines in einer Buchhandlung. Bei der Buchhandlung Osiander. Sehr gemütlich dort – findet Kawa13.

  2. lonelylibrarian

    Danke für den Tipp! Ein Ausflug nach Konstanz ist sowieso schon lange mal wieder fällig und ein Besuch beim Osiander gehört da natürlich unbedingt dazu – erst recht, wenn’s auch ein Café gibt🙂.

  3. liebe LoL
    gerade habe ich deinen Blog und obenstehenden Kommentar entdeckt. bin im Moment verzweifelt (!) auf der Suche nach einem Café (in Zürich), wo man am Abend noch die Zeitung lesen kann. bin eigentlich auch schockiert, dass das echt schwer zu finden ist (wenn man nicht ins Starbucks ausweichen möchte). die “netten” Cafés, die man tagsüber besucht, dimmen am Abend das Licht so sehr, dass nicht mehr sichtbar ist, was in der Zeitung stehen würde… ja, es ist wirklich nicht einfach. ich schreibe und lese gerne in Cafés und dabei – vor allem beim schreiben- mag ich es, wenn etwas Ambiance vorhanden ist – irgendwie etwas echtes, persönliches, handfestes. das erschliesst sich mir in einem Starbucks einfach nicht! nun, als letztes noch einen Tipp für ein schönes (Tag-lese oder Abend-treff) Café in ZH mit suuper Café:) – das Z am Park bei der Fritschiwiese. echt eine Entdeckung.

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