“lumbecken”

Die Fachterminologie der verschiedenen Berufe und Branchen ist doch immer wieder was Schönes. Da gibt es diese netten Begriffe, die für jeden Eingeweihten absolut normal und verständlich sind, für Aussenstehende aber einfach nur komisch anmuten.

Heute sind die Einbbände für die Zeitschriften Stahl & Eisen und Giesserei vom Verlag gekommen, mit einer Notiz für den Buchbinder: “Die Rückeneinlage dieser Einbanddecke ist so bemessen, dass der Buchblock gelumbeckt werden muss”.

Gelumbeckt – lumbecken. Was für ein nettes Wort. Hat offensichtlich was mit der Art und Weise, bzw. dem Verfahren zu tun, wie Blätter in einem Einband befestigt werden. Wahrscheinlich nach dem Namen des Erfinders benannt. Hat man ja auch schon mal irgendwann, irgendwo gehört. Aber was war das jetzt nochmal genau? Dass LoL das als Bibliothekarin nicht unbedingt weiss, davon geht offensichtlich auch der Verlag aus, und richtet seine Notiz geshalb gleich direkt an den Buchbinder. Und unsere Buchbinderin wird schon wissen, was zu tun ist (sehr wahrscheinlich wüsste sie das auch ohne die Notiz). Aber natürlich will LoL das jetzt auch genauer wissen.

In Margarethe Rehm’s Lexikon Buch-Bibliothek-neue Medien finden sich dazu die folgenden Erklärungen:

Lumbeck, Emil. (1886-1979). -> lumbecken.

lumbecken bezeichnet die fadenlose Klebeheftung von Büchern und Broschüren, bei der einzelne Blätter oder einmal gefaltete Bogenteile durch Kunstharzklebstoff zu Buchblöcken verbunden werden. Das Aufkommen von Kunstharzklebern in den 1950er Jahren war für die Entwicklung der Klebehefutng entscheidend, an der Emil Lumbeck (1886-1979) beteiligt war, weshalb das Verfharen auch nach ihm benannt ist. S.a. heften.

heften [...] Die Klebeheftung (Klebebindung), nach ihrem Erfinder Emil Lumbeck (1886-1979) auch lumbecken genannt, ist eine fadenlose Klebeheftung mit Kunstharzklebstoff. [...] Das Lumbeckverfahren empfiehlt sich für nicht dauernd aufzubewahrende und weniger benutzte Bücher. Es wird deshalb viel bei Taschenbüchern, Telefonbüchern u.ä. angewendet.

Lumbecken ist also das entsprechende Verb zu Klebeheftung oder Klebebindung. “Klebeheften” oder “klebebinden” scheinen als Alternativen dazu nicht zu existieren. Wie das Ganze genau funktioniert, findet man zum Beispiel hier oder hier.
Im Englischen heisst es, gemäss LEO, übrigens ebenfalls “to lumbeck”, aber alternativ gibt’s auch “to pad sth.”. Das Verfahren heisst entsprechend “Lumbeck process”. Im Französischen ist bei LEO nichts zu finden.

Der Hinweis, dass sich dieses Verfahren vor allem für Bücher eignet, die nicht dauernd aufzubewahren und weniger genutzt sind, würde allerdings eher gegen die vom Verlag vorgesehene Art der Bindung sprechen, denn die einzelnen Hefte werden ja gerade auch deshalb gebunden, damit die Zeitschrift dauerhaft aufbewahrt werden kann. Wobei zugegenermassen das “wenig benutzte” zumindest in LoLs Bibliothek, leider, leider, nur allzu zutreffend ist…

Und nun überlegt sich LoL natürlich, was es denn im Bibliotheksbereich für Fachtermini gibt, die für uns Bibliothekswesen absolut klar und verständlich sind und bei denen andere nur verwirrt und ahnungslos den Kopf schütteln. Das einzige, was ihr spontan in der Richtung einfällt – déformation professionelle? – ist “Autopsie”, was ihr, als Krimifan, schon immer besonders gut gefallen hat… :-)

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4 responses to ““lumbecken”

  1. Da hat mir LoL was zum Nachdenken im Infodienst gegeben – und auch ich bin wohl betriebsblind, mir fällt auf die Schelle nicht viel ein.
    Neulich hat mich jemand nach “Grauer Literatur” gefragt, suchte aber eigentlich nach Literatur für Senioren – das war ein klassischer Fall von gut gemeint, aber falsch benutztem Fachterminus. Und – für den zuhörenden Azubi- eine gute Lektion, wie wichtig das klassische Frage-Antwort-Spiel im Infodienst ist!
    Einen anderen Praktikanten hat es doch sehr befremdet, makulierte Bücher mit dem Stempel “Ausscheidung” zu verstehen, der verstand darunter etwas anderes.
    Toppt aber alles die “Autopsie” nicht ;-)

  2. lonelylibrarian

    @dribbdebach77 Diese Interpretation von “Graue Literatur” ist aber auch sehr nett!

  3. Ich finde “Köpfen” oder “geköpft” ist auch nicht schlecht! Vor allem im Zusammenhang mit Autopsie!

  4. buechereierlei

    Mir fällt dazu noch das “Nadeln” ein, eine Tätigkeit, die ich auch nur noch aus meiner Ausbildungszeit kenne und witzig fand. Klingt irgendwie nach Voodoo.

    “Nadeln”, “Köpfen”, “Ausscheiden”, “Autopsie” … wir haben eine echt eklig-brutale Profession!

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